In den vergangenen drei Jahren hat Daniel mehrfach Comebacks ausgerufen und versucht gegen die Probleme des Alltags anzukämpfen, neue Routinen zu erlangen und gegen alle Widrigkeiten seit der Corona Pandemie, Scheidung und das neue Zusammenleben im Patchwork anzugehen. Ohne messbare Fortschritte.

Es war ein ständiges Aufreiben gegen äußere und innere Widerstände. Dabei habe ich zum einen lange nicht erkannt, dass neue Herausforderungen auf der Arbeit eine völlig andere Trainingsplanung und Steuerung notwendig macht. Ich habe lange nicht einsehen wollen, dass ich selbst in meinen Trainingsroutinen viel zu festgefahren war, um Neues zu entdecken. Ich hatte immer ein Ziel und den Weg dorthin vor Augen aber ständig kam ein neues Problem aus dem Nichts und sorgte für den nächsten Rückschlag.

Mal als Sturm direkt von vorne. Dann wieder schleichend und niederzerrend von hinten, dass ich die Anfänge davon gar nicht bemerkte. Das Resultat war stets das Gleiche. Es gab keinen Trainingsrhythmus. Es gab keinen Fortschritt. Und schließlich verlor ich meinen Glauben und damit meine Willenskraft und Motivation.

Beruf zur Berufung ohne Sport nicht mehr wichtig?

Durch meine berufliche Veränderung innerhalb der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und Autismus Spektrum mit täglich neuen Herausforderungen, die mir genauso viel abverlangen wie intensivste Trainingseinheiten aber auch genauso viel Spaß machen wie meine MTB-Liebe auf dem Trail, wo Adrenalin und Natur verschmelzen, habe ich häufig mit dem Gedanken gespielt, ob ich überhaupt noch den inneren Antrieb für den MTB Sport habe. ,

Blende ich Trainingszustand, Form und Gewicht aus, dann fühle ich meinen Herzschlag im Einklang mit den Bergen. Mein Körper sehnt sich nach dem Sport. Meine MTB-Liebe ist ungebrochen.

Wie sehr willst du es?

Auch in Zukunft wird der Gegenwind von vorne an meiner Motivation knabbern, wird von der Seite ein neues Tief aufziehen und meine Willenskraft in Frage stellen. Ich arbeite nicht mehr 80% als Mitarbeiter auf einer Wohngruppe in der Jugendhilfe, sondern in Vollzeit als Führungskraft mit hoher Selbstverantwortung. Ich will das, weil es mich genauso erfüllt wie mich der Sport erfüllt hat und wieder erfüllen wird.

Das Leben im Patchwork hat ebenfalls vieles verändert. Training oder Kinder? Training oder Zeit mit Natascha? Mentale Vorbereitung auf das Training oder noch schnell ein gemeinsames Spiel spielen. Der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle in meinem Leben, die Zeit für mich ist knapper geworden.

Ich weiß aber noch zu gut, wie ich 2014 jeden verdammten Morgen um 5 Uhr aufgestanden bin und laufen war, weil ich im Sommer 2015 das Etappenrennen BIKE Transalp in den Top 100 finishen wollte. Wie sehr willst du es?

Mein Hindernis ist mein Weg

Was mir meinen Glauben zurückbringt? Eine Veränderung im Denken. Es gibt keine Probleme, die mich davon abhalten wieder erfolgreich in den Radsport einzusteigen oder die meiner MTB-Liebe im Weg stehen. Es gibt höchstens Hindernisse, die überwunden werden möchte. Mit diesem neuen Denken bin ich wieder zum Ursprung meiner Faszination Ultraausdauer angelangt, die persönliche Grenze zu verschieben.

Letztendlich kann ich meine Problemlösung auf zwei Arten beantworten. Entweder in dem ich mich frage: „Wie sehr willst du es?“ Oder in dem ich mir sage: „Dein Hindernis ist dein Weg“. Das erste Hindernis ist im Übrigen schon da, dieser Text entsteht auch deswegen, weil ich aufgrund einer neuen Corona Infektion nicht trainieren darf.